Das Faltrad
Was man darüber wissen sollte...

Durch die Verwendung der De Dion-Hinterachse in den KAD-B Fahrzeugen, schaffte es Opel endlich einen
der Oberklasse angemessenen Fahrkomfort bei hervorragender Straßenlage zu bieten.
Dieser Hinterachstyp benötigte aber mehr Platz, der nur durch eine geringfügige Verkleinerung des
Kofferraums, insbesondere in der Höhe, zu erreichen war.
Trotz ausgeformter Bodenbleche in den Seiten war es nun nicht mehr möglich ein vollwertiges Ersatzrad
auch nur annähernd hochkant unterzubringen. Erschwerend kam hinzu, dass das ursprüngliche Reifenformat
195/14H noch voluminöser war, als es die heute verwendeten 70er-Reifen.
Das Ersatzrad stand also schräg rechts im Kofferraum und benötigte Platz.
Viele Käufer wird es gar nicht gestört haben, denn der Kofferraum ist nicht wirklich klein.
Wen es dann doch störte, der konnte ab Mai 1973 ohne Mehrkosten das Extra "64-1" ordern, "Faltersatzrad mit Füllflasche".
Bei der Füllflasche handelt es sich um eine kleine Gasflasche mit Kohlensäurefüllung, die im Pannenfall das Rad auf einen Druck von 2,2 bar
bringen sollte. Das Ventil der Flasche war verplombt, vermutlich um sicher zu sein, dass der volle Inhalt der Flasche
zur Verfügung stand. Ein Nachfüllen war nur über den Opel-Service oder den Lieferanten, B.F. Goodrich möglich.
Diese Flasche ruhte im Fahrzeug in einer entsprechenden Halterung. Das Faltrad wurde ebenfalls mit einem V-förmigen
Winkel geliefert, der die Schräglage der am Fahrzeug befindlichen Aufnahme ausglich.
Das hat den Vorteil, dass beide Ersatzradtypen montiert werden können.
Wem die Verwendung der Füllflasche nicht gefiel (es war bei unsachgemäßer Benutzung möglich, dass eine Vereisung
auftrat), der konnte auch das Extra "64-3" wählen, welches zum Schluss im Jahre 1977 für "133 DM" zu bestellen war.
Dann wurde das Faltrad mit einem elektrischen Kompressor geliefert. Vermutlich kamen unterschiedliche Kompressormodelle
zur Auslieferung, denn Opel verweist in der Bedienungsanleitung des Diplomat/Admiral auf die Anleitung des jeweiligen Herstellers.
Obwohl das Faltrad zu Beginn der 70er-Jahre sehr innovativ war, konnte es sich nicht so richtig durchsetzen.
Einzig bei der Firma Porsche wurde es zahlreich verbaut.
Ich konnte kürzlich für meinen Diplomat ein komplettes Faltrad-Set erstehen und nachdem die Freude darüber wieder
etwas abgeklungen war, stellte sich ziemlich schnell die Frage, wie so wenig Gummi sich so stark aufweiten soll !
Weiterhin war mir völlig unklar, wie sich das Rad nach einer Befüllung benimmt und ob es seine ursprüngliche Form
wieder einnimmt (und mit welchen Aufwand).
Selbst ein mir bekannter alter Opel-Meister, der viele Jahre mit diesen Fahrzeugen zu tun hatte und diese auch privat
liebte und gefahren hat, konnte mir dazu nichts sagen, obwohl er noch diverse Falträder im Keller liegen hat.
So blieb nur der Selbstversuch.
Natürlich habe ich nicht die Füllflasche verwendet, sondern eine normale Fußpumpe, um das Rad auf 2,2 bar zu bringen.
Das Ergebnis zeigen die folgenden Bilder (zum Vergrößern einfach anklicken) :
Der äußere Gürtel ist tatsächlich so elastisch, dass er den benötigten Umfang herstellen kann.
Interessant ist, dass die Einfaltung erst auf der Radaußenseite verschwindet und erst kurz vor
der kompletten Füllung auf der Radinnenseite. Dadurch tritt die Felge zeitweilig "aus dem Rad heraus".
Nun kann man erst einmal feststellen, ob das Rad den Druck hält. Außerdem besteht nun auch die
Möglichkeit, den Reifen zu reinigen und mit Gummipflege zu versorgen, damit er wieder etwas geschmeidiger wird.
Nach Ablassen des Drucks durch Ausschrauben des Ventils nimmt das Rad wieder seine ursprüngliche Form ein,
ohne weiteres Zutun. Wer hätte das gedacht?
Ich hoffe auch weiterhin, dass ich keine Reifenpanne mit meinem Diplomat haben werde; falls es doch einmal passiert
traue ich meinem Faltrad nun etwas mehr und würde es auch tatsächlich verwenden.
Es ist ja auch nur für kurze Strecken und niedrige Geschwindigkeiten vorgesehen...
Wer also dieses nette Extra bekommen kann, der sollte zugreifen.
Es gibt nun übrigens den Aufkleber für die Füllflasche "Bedienungsanleitung" in einer kleinen Neuauflage als Nachfertigung.
Damit sind die verrosteten Gasflaschen endlich restaurierbar.
Wer Interesse hat, möge bitte mit mir Kontakt aufnehmen ( zum Aufkleber ).
Die technische Information des Kundendienstes zum Thema Faltrad finden Sie hier:
Gunnar Winter
21.06.07