Nachrüstung einer Klimaanlage im Diplomat V8:

 

 

Als Fahrer des Diplomat V8 ist man im Sommer schnell dazu geneigt, eine funktionierende Klimaanlage, die es ja ab Werk als Extra gab, 

zu vermissen.

Der Motor heizt den Innenraum zusätzlich gut auf, so dass schon ein Schiebedach ein Segen ist. 

Außerdem hat dieses Extra auch heute noch bei unseren seltenen Fahrzeugen eine gewisse Exklusivität. 

So hat sich sicher der eine oder der andere schon mal mit dem Gedanken beschäftigt, eine originale Klimaanlage nachzurüsten.

Klimaanlagen für den Diplomat B - originale und nicht originale, komplette Anlagen oder Teile der Klimaanlage wurden bei ebay schon oft angeboten. 

Diese Anlagen wurden meist zwischen 250 EUR und 450 EUR versteigert.

Eine wirklich 100% komplette Anlage, auch wenn sie als solche angepriesen wurde, war jedoch selten dabei.

Was in der Vergangenheit bei angeblich kompletten Anlagen meist dabei war, war der Kompressor, der Verdampfer (Klimagerät im Innenraum), der Kondensator (Kühler) und wenn man Glück hatte auch alle starren Anschlussleitungen, die man einzeln wahrscheinlich gar nicht mehr bekommen wird.

 

Was meistens fehlte, waren die längeren Schrauben, die nötig sind um den Kompressor mit Haltern an Motor und Wasserpumpe zu befestigen. Was auch meistens nicht dabei war, waren die beiden Riemenscheiben, die ebenfalls zwingend notwendig sind, da bei der Normalausführung 

die Rille für den Kompressor fehlt. 

Einzeln sind sie ebenfalls nur schwer zu bekommen und dann meist auch sehr teuer. 

Ebenfalls so gut wie nie dabei war auch ein entsprechender Kabelbaum, der den Nichtelektriker auch vor größere Probleme und Kosten 

stellen dürfte.

 

Bestandteile der Anlage sind also der Kompressor, der Verdampfer (Klimagerät im Innenraum), der Kondensator, alle starren 

Anschlussleitungen die an Kondensator und Verdampfer geschraubt werden, alle Halter, um den Kompressor zu befestigen und 

den Riemen zu spannen, beide Riemenscheiben, der Kabelbaum sowie wirklich alle nötigen Schrauben und Muttern. 

Außerdem gehört bei den Klimamodellen der späteren Baujahre ein E-Lüfter hinter den Kühlergrill, der mittels eines Thermoschalters, 

der oben am Kühler sitzt, gesteuert wird.

 

 

 

Bild 1: Komponenten der Klimaanlage (gezeigt 2,8E mit Delco-Kompressor)

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Kompressor mit Halterung:  Man muss hier je nach verwendetem Kompressor unterscheiden. Bis Bj.76 findet man meist den langen Kompressor der Fa. Delco (Bild 2), der u.a. auch im Jaguar XJ6 zu finden ist. Bei englischen Teilehändlern findet man auch komplett überholte Aggregate, die es aber auch beim Klimaspezi gibt.

 

 

Bild 2: Delco-Kompressor

 

 

Bild 3: Halterungen, Schrauben und Riemenscheiben (bei Delco-Kompressor für V8)

Wer genau hinschaut, kann den Stehbolzen für den Krümmer  erkennen.

 

 

 

 

 

Die 77er Baujahre hatten meist den Sanden-Kompressor (Bild 4), der kompakter ausfällt.

 

Bild 4: Sanden-Kompressor für V8

 

 

Er hat auch eine ganz andere Halterung, die eine Umlenkrolle benötigt.

 

 

 

Die Schrauben: Kritisch sind die Bolzen, die den vorderen Halter an der Wasserpumpe verschrauben. Sie müssen etwa 15 – 20 mm länger sein als die vorhandenen. Es handelt sich hier ausschließlich um amerikanische Zollschrauben in der Größe 3/8“ UNC, die hier in Deutschland nicht an jeder Ecke zu bekommen sind. Schon gar nicht der Stehbolzen am Auspuffkrümmer, der erst den Krümmer verschraubt (bei Delco)  und dann wiederum mit der aus dem Sechskant herausragenden Gewindestange die Aufnahme für den Halter bildet. Bei der Befestigung des Kompressors am Halter kann man eventuell auf metrische

Schrauben ausweichen. Für alles andere empfehle ich www.online-schrauben.de .

Bei den Längen muss man etwas probieren.

 

  

 

 

Die Riemenscheiben: Die Modelle mit und ohne Klimaanlage hatten oben wie unten unterschiedliche Riemenscheiben. Die obere Riemenscheibe hat genau wie bei der Normalausführung ohne Klima 2 Rillen, die aber anders angeordnet sind.

 

 

 

Bild 5: Wapu Riemenscheiben: Links Klima (Delco), rechts normal

 

 

 

 

 

Mit Klimaanlage läuft der Riemen für den Kompressor quasi in der Mitte, wo bei der Normalausführung keine Rille vorhanden ist. Der Riemen für die Servolenkung läuft dann aber nicht mehr über diese Scheibe sondern nur noch über die untere Riemenscheibe und die Servopumpe. 

 

 

 

Bild 6: Anordnung der Riemen bei Klimaanlge mit Delco-Kompressor

 

 

 

 

Die untere Riemenscheibe ist immer 2-teilig. Der vordere topfförmige Teil ist bei allen Modellen (mit und ohne Klima) immer gleich. Der hintere Teil hat entweder eine oder zwei Rillen, je nachdem, ob mit oder ohne Klima. Man braucht also nur die hintere Scheibe mit einer Rille gegen die Scheibe mit zwei Rillen zu tauschen.

Die vordere Scheibe kann und muss auch weiterverwendet werden. Somit hat die untere Riemenscheibe dann 3 Rillen. 

 

 

 

Bild 7: zweiteilige untere Riemenscheibe (bei Delco-Kompressor)

 

 

 

 

Diese Riemenscheiben sind auch nur für den Chevy V8 Motor und nicht für die 6 Zylinder Modelle geeignet. Opel scheint übrigens die obere Scheibe in Guss ausgeführt zu haben.

Von den Amerikanern kenne ich nur die üblichen Standard-Blechpressteile.

Bleibt noch zu erwähnen, dass man neue Keilriemen braucht, die trotzt ihrer beachtlichen

Länge noch problemlos zu bekommen sind.

 

 

Die Schläuche sind häufig ebenfalls bei gebrauchten Anlagen dabei, sollten jedoch, sollte man ernsthaft vorhaben die Anlage wieder in Betrieb zu nehmen, nur noch als Muster zur Neubeschaffung dienen. Die Fa. Weserflex in Bremen kann die Schläuche als Meterware liefern.

 

 

Die Kupferleitungen müssen ungeknickt und frei von Rissen sein.

 

 

Der Trockner muss bei einer Neubefüllung grundsätzlich neu!

 

 

Der Kabelbaum: Falls nicht original vorhanden ist, kann er zumindest originalgetreu laut Schaltplan (WHB Klima) verdrahtet und mit Steckverbindern, Kabelschuhen und Relaissockel ausgestattet werden.

Es müssen im wesentlichen vier Drähte angeschlossen werden (Sicherung Nr.7, Masse, Anlasser Kl 50, und LM+) und das Relais eingesteckt werden.

Nicht vergessen sollte man die Diode, die direkt am Kompressormagnet sitzt und bei selbstgestrickten Kabelbäumen meist fehlt. Ohne diese Diode kann es zu Funktionsstörungen des Kompressors führen. Diese Diode ist in jedem Stromlaufplan der Originalbetriebsanleitung direkt neben dem Kompressormagnet eingezeichnet. Bei allen Baujahren und Motorvarianten.

 

 

Der Verdampferkasten: Die Blende des Verdampfers im Innenraum ist meist nicht mehr die schönste, wenn es sich um die verchromte handelt. Die Fa. Blach-Lackierung kann hier Abhilfe leisten und die Blende neu verspiegeln.

 

 

 

 

Bild 8: verchromter Verdampfer (bei Delco-Kompressor)

 

 

 

 

Frühe Diplomaten hatten hier noch eine schwarze Blende.

Es gab auch ähnliche schwarze Verdampfer, die ich öfter bei ausländischen Fahrzeugen gesehen habe. 

 

 

 

Bild 9: schwarzer Verdampfer

 

 

Die späten Modelle (1977) hatten einen Luftaustritt, der über die gesamte Armaturenbrettbreite geht. Diese Anlagen waren auch mit 

einem kürzeren, silbernen Kompressor (Fa. Sanden) gepaart und kamen vom Hersteller Techno. 

Die Anlage ist als Typ Mark IV bezeichnet.

 

 

Bild 10: Techno Mark IV- Anlage (ca. 1977)

 

 

 

 

Beim Einbau der „schmalen“ Kästen wird man feststellen, das der Luftverteiler unter dem Armaturenbrett zu weit in de Innenraum ragt. 

Er ist bei den Klimamodellen auch mit einer anderen Teilenummer versehen. 

Man kann sich aber behelfen, indem man den Kragen kürzt. Dieses Problem hat man bei der Mark IV-Anlage nicht, 

da der Gebläsekasten unter dem Handschuhfach sitzt.

Weiterhin ist es wichtig zu wissen, dass die „schmalen“ Kästen nicht genau mittig, sondern ein gutes Stück nach rechts zum 

Beifahrer versetzt sind, damit der Fahrer das Gaspedal frei erreichen kann.

Schließlich muss man bei allen Anlagen noch die Schläuche für das Kondenswasser durch den Tunnel unter den Wagen verlegen. 

Die Schläuche sollten mit sog. Stulpen abgeschlossen werden, da sonst Motorgeräusche über die Schläuche in den Wagen gelangen, 

was nicht nötig ist.

 

Der Kondensator: Er wird häufig auch als „Klimakühler“ bezeichnet und sitzt vor dem Wasserkühler. 

Bei Fahrzeugen ohne Klimaanlage ist im Frontblech eine Prägung, die anzeigt, wo das Blech ausgeschnitten werden muss, damit der Kondensator Platz hat.

Auf der Beifahrerseite ist eine weitere fast viereckige Prägung im Frontblech, die ebenfalls bei Klimamodellen (zumindest V8) ausgeschnitten ist, um die Leitungen in den

Motorraum zu führen. Beim 2,8 E laufen sie auf der Fahrerseite. Diese Details sind im WHB Klimaanlage beschrieben.

 

 

 

 

Bild 11: Ausschnitte im Frontblech bei V8.

Man beachte auch den E-Lüfter.

 

Die Neubefüllung wird heute üblicherweise in R134a gemacht.

Das alte R12 ist seit Jahren für Befüllungen nicht mehr zulässig (FCKW-haltig).

Der Wechsel zu R134a zieht einige Erneuerungen nach sich, die bei einer Nachrüstung aber selbstverständlich sind (hier nur in Kurzform):

 

 

  

(z.B. Fa. Würth). Auch die am Expansionsventil im Gebläsekasten!

 

 

 

 

 

 

 

So vorbereitet kann man nun den Weg zum Klimaspezialisten antreten.

Dort wird die Anlage gespült, auf Dichtheit geprüft und schließlich befüllt.

 

 

 

Das Original-Werkstatthandbuch „Klimaanlage“ leistet bei einer Umrüstung wertvolle Dienste. 

Hier steht alles Wissenswerte über die Klimaanlagen der Modelle Admiral und Diplomat B drin, auch incl. Schlauchlängen, Füllmengen, Anzugsmomente, Stromlaufplan usw. .

Es ist entweder antiquarisch auf Oldtimermärkten oder als Nachdruck zu bekommen.

 

 

 

 

Bild 12: Werkstatthandbuch Klimaanlage KAD B

 

 

Damit sollte dem Einbau dann auch nichts mehr im Wege stehen.

 

(Stand 09/2005:  Für Hinweise und Anmerkungen bin ich jederzeit dankbar.)

 

Gunnar Winter

 

 

 

 

    

 

                

            

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